Lean Excellence als First-Tier Supplier (Teil 2/8): Prozessstabilität

Lean Excellence als First-Tier Supplier (Teil 2/8): Prozessstabilität

Taiichi Ohno, Begründer des Toyota-Produktionssystems (TPS), sah Prozessstabilität als eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Umsetzbarkeit eines Lean-Ansatzes. So wie sich die Verlässlichkeit einer einzelnen Maschine über das TPS-Prinzip „Autonomation“ – die intelligente Automatisierung zur frühzeitigen Fehlererkennung – in einem reinen Produktionsszenario erhöht, ist für die Erreichung von Lean Excellence die Stabilität einzelner Geschäftsprozesse von entscheidender Bedeutung. Als Beispiel seien hier die Just-in-Time-Abrufe des OEMs genannt. Dieser ruft gegen vereinbarte Lieferpläne und Einkaufsbedingungen gemäß seiner Stücklistenauflösung Komponenten oder Baugruppen beim First-Tier Supplier ab. Letzterer bucht bei Verbau der Komponenten jene vom Lagerbestand ab. Im Sinne einer besonders „leanen“ Prozessgestaltung mag dies jedoch nicht unbedingt gegen eine manuelle Kontrolle der entnommenen Komponenten geschehen – bei kurzen Taktzeiten und vielen Komponenten ein unverhältnismäßig hoher, „nicht leaner“ Aufwand –, sondern gegen die Einzelteile des Kundenabrufs. Im Regelfall funktioniert dieser Prozess, wenn der OEM über konstante Stücklisten verfügt. Schwierigkeiten können bei Modellneuanläufen, Teileänderungen, Variantenneuanläufen etc. auftreten. Das in diesem Fall über mehrere Parteien zu koordinierende Änderungsmanagement führt oft zu unzuverlässigen Abrufen des OEM. Aufgrund der oben beschriebenen Prozessabbildung kann es in der Folge zu Bestandsdifferenzen des First-Tier Suppliers kommen, der gegebenenfalls Teile in der Montage verbaut, die Aktualisierung des bestandsführenden Systems aber versäumt. Sofern über den Abruf auch einzelne Produktionsarbeitsplätze automatisch angesteuert werden, können fehlerhafte Abrufe sogar zu Produktionsstillständen führen. Das Beispiel zeigt, dass ein augenscheinlich „leaner“ Prozess bei Prozessinstabilität oder Störungen des Normalablaufs ins Chaos führen kann. Ein Lean Excellence-Ansatz muss solche Abhängigkeiten berücksichtigen. Eine gezielte Maßnahme, auch wenn sie zunächst „unlean“ erscheint, ist dennoch „lean“, wenn sie für Prozessstabilität und damit für eine wesentliche Voraussetzung für „Lean“ sorgt. Dies erfordert bei allen Beteiligten ein grundsätzliches und durchdringendes Verständnis von Lean-Initiativen – Lean Excellence!

Share this