Lean Excellence als First-Tier Supplier (Teil 8/8): Just-in-Sequence-Versorgung und Fazit

Lean Excellence als First-Tier Supplier (Teil 8/8): Just-in-Sequence-Versorgung und Fazit

JIT sorgt für die Vermeidung von Überproduktion und Beständen durch die zeitnahe Fertigung von Kundenbedarfen. In der Montage müssen dazu die verschiedenen möglichen Verbaukomponenten bereitgestellt werden. Bei hoher Variantenvielfalt müssen entsprechend viele Variantenteile vorrätig und an der Linie platziert sein. Bei größeren vorgefertigten Modulen bedeutet dies einen entsprechenden Platzbedarf. Da dieser einerseits oft nicht gegeben ist, es andererseits aber auch unerwünscht ist, die Montagelinie mit bereitgestelltem Material vollzustellen, mag der First-Tier Supplier auch dazu übergehen, die entsprechenden Module zu sequenzieren. Dazu kann er die Teile auf einer extra dafür ausgewiesenen Fläche gemäß ihrer Fertigungssequenz in Reihenfolge bringen. Die Bereitstellung zur Montage geschieht dann innerhalb des Werks Just-in-Time mit Reihenfolgenbezug. Dies sorgt zwar für eine „leane“ Materialversorgung in die Montage, ist aber keineswegs als „leane“ Gesamtlösung zu sehen. Der Arbeitsaufwand für das Auspacken und Sequenzieren der Komponenten sowie der zusätzlich nötige Flächenbedarf erhöhen die Gesamtkosten. Erstrebenswert ist jedoch die Anlieferung der Teile in richtiger Reihenfolge durch den Lieferanten. Die Übermittlung entsprechender Sequenzabrufe an den Lieferanten und die Versorgung und Bestückung der LKWs mit Reihenfolgenbezug minimiert den Aufwand in der Gesamt-Supply Chain und ist daher kostenoptimal. Im Lean Excellence-Ansatz kann somit sogar der Bestand, der im alternativen traditionellen Just-in-Time-Szenario durch Größe und Anzahl der Kanban-Behälter vorgegeben ist, reduziert werden. Dieser Effekt ist umso größer, je höher der Variantenreichtum ist. In der Quintessenz verlangt Lean Excellence folglich bei Modulen mit erhöhtem Platzbedarf  und/oder hoher Variantenvielfalt eine Just-in-Sequence-Versorgung. JIS kann aber prinzipiell bei jeder Variantenkomponente benutzt werden. Der Aufwand ist gegen den Ertrag in jedem Einzelfall abzuwägen. Voraussetzung für eine JIT/JIS-Versorgung ist die Fähigkeit des Lieferanten, Sequenzabrufe zu verwalten und entsprechend darauf reagieren zu können. Ohne diese Voraussetzung ist eine partnerschaftliche Analyse des Missstandes und eine Initiative im Sinne eines gemeinsamen kontinuierlichen Verbesserungsprozesses notwendig.

Fazit

In der Entwicklung vom Komponentenanbieter zum Systemanbieter oder gesamtheitlichen Lösungsanbieter spielt die logistische Integrationsfähigkeit des First-Tier Suppliers eine immer stärkere Rolle. Die Transparenz gegenüber dem OEM nimmt dabei zu. In einem Umfeld höchster Leistungsfähigkeit der Supply Chain stellt sich die Frage, wie diese aufrecht erhalten, und weiter verbessert werden kann. Um sich gegenüber dem OEM in eine Führungsposition in der logistischen Performanz zu entwickeln und diese aufrecht zu erhalten benötigt der First-Tier Supplier ein Referenzmodell als Gedankenstütze zur Auswahl und Priorisierung von Verbesserungsmaßnahmen und Unternehmensinitiativen sowie zur Differenzierung gegenüber dem Wettbewerb. Das hier auszugsweise dargestellte Konzept Lean Excellence ist ein gesamtheitlicher Ansatz, der die Frage adressiert, wie in einem Lean-Szenario Best-in-Class erreicht werden kann. Angesprochene neuralgische Punkte verlangen ein grundsätzliches und durchdringendes Verständnis von Lean-Initiativen. Lean Excellence ist dabei keine „Best of“-Sammlung, sondern die Besinnung auf die ursprüngliche Motivation für die Einführung von Lean-Prozessen und die situative Adaption auf das jeweilige Unternehmensszenario.

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