Produktkonfiguration im globalen Wettbewerb

Produktkonfiguration wird in der Industrie als Erfolgsfaktor für Wettbewerbsfähigkeit erkannt. Bei einem Großteil der GEXSO- Teilnehmer ist der Vertrieb von Konfigurationsprodukten das dominierende Geschäftsmodell.

Die durch die zunehmende Kundenindividualisierung steigende Produkt- und Variantenvielfalt und die Verkürzung der Produktlebenszyklen führen zu Veränderungen in allen Unternehmensbereichen. Unternehmen müssen neue Strategien verfolgen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Ein Prozess im Varianten- beziehungsweise Komplexitätsmanagement ist die Produktkonfiguration. Einerseits werden darüber kundenindividualisierte Produkte basierend auf vordefinierten Produktelementen oder -baugruppen definiert. Andererseits ist darüber ein wissensbasiertes System zur Definition standardisierter Komponenten, Module und deren Beziehungen möglich.

Erfolgsfaktor Produktkonfiguration

Produktkonfiguration wird von fast 80 Prozent als Erfolgsfaktor für ihr Industriegeschäft eingeschätzt.

Produktkonfiguration als integraler Bestandteil von Vertriebs- und Supply Chain-Prozessen gewinnt zunehmend an Bedeutung: 79 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass Produktkonfiguration ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor ist. Bei den Unternehmen, denen die GEXSO-Studie einen besonders hohen Reifegrad bescheinigt, ist die Zustimmung noch höher: Fast 90 Prozent gaben an, die Beherrschung von Konfiguration sei entscheidend für den Unternehmenserfolg. Nur zwei Prozent der Befragten sehen Produktkonfiguration eher nicht als Erfolgsfaktor für ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Das Management von Konfigurationsprodukten

Der Vertrieb konfigurierbarer Produkte dominiert bei dem Großteil der Teilnehmer das Geschäftsmodell. An der Umsetzung von Konfigurationsmodellen und -prozessen sind vorrangig das Produktmanagement und das Engineering beteiligt.

Im Rahmen der Studie gaben die Teilnehmer an, zu welchen Anteilen sich ihre Produkte auf die folgenden Produktgruppen verteilen:

  • Standardprodukte: nicht-konfigurierbare Produkte beziehungsweise Katalogprodukte,
  • Konfigurationsprodukte: Produkte, deren Spezifikationen anhand definierter Parameter konfiguriert und kundenindividuell gefertigt werden
  • Projektgesteuerte Entwicklungsprodukte: Produkte, deren Entwicklung, Konstruktion und Fertigung nach Kundenwunsch erfolgt.

Durchschnittlich wird bei den Studienteilnehmern ein Mix aus Standard-, Entwicklungs- und Konfigurationsprodukten im Produktportfolio angeboten. Der Schwerpunkt liegt auf den Konfigurationsprodukten mit einem durchschnittlichen Anteil im Produktportfolio von 58 Prozent, gefolgt von Entwicklungsprodukten mit einem durchschnittlichen Anteil von 25 Prozent. Mit nur 17 Prozent bilden Standardprodukte einen kleinen Teil des durchschnittlichen Produktportfolios der Teilnehmer. Es ist naheliegend, dass dies an den Besonderheiten der betrachteten Branche liegt, die mit ihren Industriegütern eine spezielle Kundenorientierung und Fertigung nach Kundenwunsch pflegt.

Neben dem Geschäftsmodell ermittelt GEXSO die Verantwortlichkeit der Unternehmensbereiche an der Konzeption und Umsetzung der Konfigurationsmodelle: Das Engineering und das Produktmanagement besitzen jeweils in über 60 Prozent der Unternehmen den größeren Einfluss auf Konzeption und Umsetzung der Konfigurationsmodelle. Der Vertrieb ist mit 39 Prozent weniger dominierend verantwortlich. Die Bereiche IT, Einkauf, Produktion und Supply Chain sind nur geringfügig an der Konzeption und Umsetzung der Produktkonfigurationsmodelle beteiligt.

GEXSO analysiert neben der Verantwortlichkeit der Unternehmensbereiche an der Produktmodellgestaltung im Rahmen der Studie auch, ob die Gestaltung des Produktmodells in den teilnehmenden Unternehmen eher unter den Aspekten „vertrieblich sinnvoll“ oder „technisch machbar“ erfolgt. Dabei wird unter „vertrieblich sinnvoll“ verstanden, dass das Unternehmen seine Produkte und Konfigurationsmodelle nach den am Markt nachgefragten Varianten und Optionen gestaltet. Mit „technisch machbar“ ist hingegen das Anbieten der gesamten technisch machbaren Ausprägungen bei einer gleichzeitig eher technisch orientierten Produktkonfiguration gemeint.

Lediglich 19 Prozent der Unternehmen richten ihr Produktmodell vorwiegend oder ganz an vertrieblichen Gesichtspunkten aus. Ein knappes Drittel baut ihr Produktmodell rein technisch auf, bei der Hälfte der Teilnehmer fließen beide Aspekte in die Produktmodellierung ein.

Hier wird auch gleichzeitig ein Problem in vielen Industrieunternehmen deutlich: Bevor die vertriebliche Sinnhaftigkeit einzelner Varianten betrachtet und eine etwaige Einschränkung der Konfigurationsmöglichkeiten nach Marktkriterien vorgenommen wird, sind Produktmodelle durch die Ausschöpfung der technischen Möglichkeiten schon komplex geworden. Komplexität ist von vorneherein in das Produktprogramm eingebaut und ein konsequenter Markt-zu-Produkt-Ansatz ist nicht gegeben.

Die Komplexitätstreiber der Variantenfertigung

Das Angebot von Konfigurationsprodukten erhöht die Komplexität des Produktes und der Produktion.

Produktkomplexität

GEXSO ermittelt die Produktkomplexität bei den teilnehmenden Unternehmen über die Varianz des Produktportfolios (vergleiche Abbildung 6 – Durchschnittliche Verteilung der Produktgruppen) und die Parameteranzahl im Produktmodell, mit denen der Vertrieb beziehungsweise der Kunde sein Konfigurationsprodukt spezifiziert.

Demnach kann eine Mehrheit von 58 Prozent der Unternehmen ihre Produkte mit maximal 100 Parametern konfigurieren. Bei 38 Prozent der Teilnehmer ist dies nicht genug: hier braucht das Produkt mehr als 100 Parameter, um ausreichend spezifiziert zu werden, was eine hohe Komplexität bedingt.

Globale Produktionskomplexität

Die globale Produktionskomplexität wird anhand der globalen Verteilung der Produktionswerke (siehe Kapitel ‚Globalisierung aktuell‘) sowie den Produktionsstrategien ermittelt.

Zur Ermittlung der globalen Produktionsaktivitäten wurden von GEXSO Produktionsstrategien zur Fertigung von Konfigurationsprodukten definiert, aus denen sich die Produktionskomplexität ableiten lässt. Die Untersuchung zeigt eine globale Vernetzung der meisten Teilnehmer für die Herstellung ihrer Produkte. Bei 74 Prozent der Teilnehmer existieren Lieferbeziehungen zwischen den einzelnen Produktionswerken. Zudem fertigen die Unternehmen sowohl lokal als auch global und passen Produkte für lokale Märkte an.

 

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Produktkonfiguration als Erfolgsfaktor im Maschinen- und Anlagenbau.
Die Variantenvielfalt und Individualisierung von Produkten ist für etliche Industrieunternehmen zu einem Erfolgsfaktor ihres Geschäfts geworden. Dabei rückt eine geeignete Markt- und Vertriebsstrategie beim Variantenmanagement zunehmend in den Vordergrund.

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