Reifegrad der Variantenfertiger

Produktkonfiguration in den verschiedenen Geschäftsprozessen

Während grundlegende Prozesse im Bereich der Angebots- und Auftragserstellung größtenteils existieren, wird Konfiguration im Marketing nur wenig eingesetzt. Im Übergang zu den Prozessen der Supply Chain werden Konfigurationsinformationen vom Großteil der Unternehmen weniger genutzt.

Überblick

In der Betrachtung zu den Prozessbereichen zeigt sich bei 55 Prozent der Unternehmen die schwerpunktmäßige Nutzung von Produktkonfiguration in der Angebots- und Auftragserstellung. Der Nutzungsgrad bei Marketingaktivitäten (38 Prozent) und in der Supply Chain (34 Prozent) offenbart noch deutliche Potenziale. Nachfolgend werden Stärken und Defizite in den Anwendungsprozessen der Produktkonfiguration ermittelt.

Marketing

Die Analyse zum Nutzungsgrad im Marketing zeigt, dass die Unternehmen die vorhandenen Möglichkeiten eines Konfigurators für digitale Marketingprozesse noch nicht vollständig ausnutzen. In der Vorverkaufsphase wird Produktkonfiguration hauptsächlich für die Abgabe von Preisindikationen (58 Prozent) im Rahmen unverbindlicher Budgetangebote genutzt. Für Produktempfehlungen in der Vorverkaufsphase wird Produktkonfiguration von 44 Prozent der Unternehmen genutzt. Eine Visualisierung des Produkts erfolgt nur bei 30 Prozent der teilnehmenden Unternehmen mithilfe eines Konfigurators. Zudem können bislang nur 20 Prozent der Teilnehmer ihren Kunden Online Self Service-Konfiguratoren zur autonomen Konfiguration der Produkte anbieten, was an der hohen technischen Komplexität der angebotenen Industrieprodukte liegen könnte.

Angebots- und Auftragserstellung

Für die Angebots- und Auftragserstellung liegt bei den Teilnehmern ein deutlicher Schwerpunkt für Produktkonfigurationsanwendungen auf der Preisermittlung anhand von Einzeloptionen (87 Prozent) und Standardfunktionalitäten wie der technischen Spezifikationsermittlung (85 Prozent). Im Gegensatz dazu werden strategische Themen, wie die marktorientierte Bepreisung von konfigurierbaren Optionspaketen (49 Prozent) oder eine Preisdiskriminierung selten nachgefragter Produktoptionen (25 Prozent), von deutlich weniger Unternehmen umgesetzt. Weitere Prozessbereiche mit einem höheren Nutzungsgrad sind die interne Kostenermittlung (65 Prozent) und die Erstellung der Stückliste (62 Prozent).

Supply Chain

Im Gegensatz zu den bereits vorgestellten Prozessbereichen findet Produktkonfiguration in der Supply Chain bei den teilnehmenden Unternehmen weniger Einsatz. Immerhin erstellen etwa zwei Drittel (65 Prozent) der Unternehmen Produktionsstücklisten mittels Konfiguration. In weiteren Prozessen der Supply Chain wird Produktkonfiguration jedoch wesentlich weniger eingesetzt (vergleiche Abbildung 14). So konfigurieren in der Beschaffung lediglich 38 Prozent der Teilnehmer Beschaffungsmaterial und Servicespezifikationen und nur 14 Prozent wählen mithilfe der Konfiguration Lieferanten aus. Ingesamt greifen nur wenige Teilnehmer bei ihren Logistikprozessen auf Produktkonfiguration zurück. Offensichtlich nutzen viele Industrieunternehmen die Vertriebskonfiguration als Informationsbasis, um in Folgeprozessen der Supply Chain im Auftragsfall mit nicht-konfigurierbaren Standardstrukturen weiterzuarbeiten.

Voraussetzungen und IT-Systeme

Viele Voraussetzungen für Produktkonfiguration, wie einheitliche Materialnummern und ein globales Produktmodell, wurden in über 60 Prozent der Unternehmen bereits implementiert. Die Mehrheit der Anwender zeigt sich zwar zufrieden mit ihren IT-Systemen, aber dennoch werden mehrheitlich Optimierungen geplant.

Im Zuge der Maturitätsuntersuchung wurden von GEXSO Voraussetzungen definiert und die Teilnehmer nach dem Erfüllungsgrad dieser gefragt. Es zeigt sich: Die Basis zur Nutzung von Produktkonfiguration wurde von den befragten Unternehmen weitestgehend geschaffen. Hierbei offenbart sich ein Fokus auf der Datensicht, während organisatorische Voraussetzungen weniger erfüllt wurden. Mit der Schaffung einheitlicher Produkt- und Materialnummern (68 Prozent), der Definition eines globalen Produktmodells (66 Prozent) wurden die Stammdaten bereits mehrheitlich global harmonisiert. Das zugehörige Stammdatensystem mit Produktmodelldaten wurde schon in 62 Prozent der Unternehmen geschaffen.

Im Gegensatz dazu sind organisatorische Voraussetzungen für das Management der Konfigurationsmodelle weniger stark ausgeprägt. 34 Prozent der Unternehmen besitzen noch keinen globalen Änderungsprozess und auch ein einheitliches Testvorgehen für die Produktmodelle ist erst in 44 Prozent der Unternehmen geschaffen worden.

Als besonders problematisch wird von den befragten Unternehmen die Durchgängigkeit des Konfigurationswissens (64 Prozent) sowie die hohe Komplexität im Konfigurator (58 Prozent) gesehen. Mangelhafte Performance wird von 62 Prozent der Unternehmen nicht als Problem erachtet, was auch von einer steigenden Parameterzahl im Produktmodell nicht negativ beeinflusst wird. 40 Prozent der Teilnehmer sehen Test- und Pflegeaufwände als problematisch an.

Neben der Maturitätsbetrachtung der geschaffenen Voraussetzungen fließen die derzeitigen Softwarelösungen zur Konfiguration mit in die Maturität ein. ERP-gestützte Konfigurationstools sind die vorrangig genutzten Lösungen für Konfigurationsanwendungen (61 Prozent). Etwa 49 Prozent der Teilnehmer haben andere Standardkonfigurationssoftware implementiert. Office Anwendungen insbesondere MS Excel dienen zudem bei 37 Prozent der Unternehmen als Konfigurationstool.

Neben den eingesetzten Systemen wurden die Unternehmen zu ihrer Zufriedenheit mit den bestehenden Lösungen befragt. Die Untersuchung verdeutlicht eine Zufriedenheit bei der Hälfte (50 Prozent) der Befragten. Im Gegensatz dazu sind lediglich 17 Prozent der Studienteilnehmer mit ihrem eingesetzten System entschieden unzufrieden.

Die Betrachtung des Zusammenhangs von Zufriedenheit und dem eingesetzten IT-System zeigt, dass zufriedene Nutzer entweder ERP- (63 Prozent) und Standardkonfigurationssoftware (61 Prozent) einsetzen.

Des Weiteren wurden die Studienteilnehmer nach den Optimierungsplanungen ihrer Systeme zur Produktkonfiguration befragt. 81 Prozent der Befragten planen eine Optimierung der bestehenden Lösungen oder ziehen dies in den kommenden zwei Jahren in Erwägung. 19 Prozent planen eher keine Optimierung.

Fokusgruppe: Variantenprofis

Zur Untersuchung des Reifegrades definiert GEXSO eine Fokusgruppe der Variantenprofis, die in ihrem Produktportfolio mehr als 85 Prozent Konfigurationsprodukte anbieten. Die Fokusgruppe zeigt einen höheren Maturitätsgrad und orientiert sich stärker an den technischen Möglichkeiten der Produktkonfiguration.

Bei vielen Industrieunternehmen gewinnt Produktkonfiguration als Wettbewerbsstrategie zunehmend an Bedeutung. GEXSO hat daher die TOP-20 Prozent der Unternehmen, die unter den befragten Unternehmen den höchsten Anteil an Konfigurationsprodukten in ihrem Produktportfolio haben, gesondert betrachtet. Jeder dieser Variantenprofis besitzt einen Anteil an Konfigurationsprodukten von über 85 Prozent in ihrem Produktportfolio.

Die Gestaltung des Produktmodells ist bei den Variantenprofis vorwiegend technisch orientiert und wird bei 63 Prozent der Unternehmen mit maximal 100 Parametern konfiguriert.

Governance und technischer Fokus

Für die Variantenprofis zeigt sich entsprechend ihres technischen Fokus eine deutliche Verantwortlichkeit des Engineerings (75 Prozent) bei der Konzeption und Umsetzung der Konfigurationsmodelle. Das Produktmanagement hingegen ist nur bei 56 Prozent der Variantenprofis involviert (im Vergleich: In 63 Prozent der restlichen Unternehmen übernimmt das Produktmanagement Verantwortung).

Eine hohe Relevanz innerhalb der Gestaltung des Produktmodells liegt zudem beim Vertrieb, der mit 62 Prozent in der Fokusgruppe stärker involviert ist als das Produktmanagement.

Maturität der Variantenprofis

Die Studie zeigt eine erhöhte Maturität der Variantenprofis, was bestätigt, dass die auf das Konfigurationsgeschäft spezialisierten Teilnehmer auch die Anforderungen für Produktkonfiguration besser erfüllen. Vor allem die notwendigen Voraussetzungen für erfolgreiche Produktkonfiguration sind bei den Variantenprofis in hohem Maße erfüllt. Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer aus der Fokusgruppe geben an, ein globales Produktmodell definiert und ein modulares Baukastensystem geschaffen zu haben. Ebenfalls zeigen die Variantenprofis einen weit höheren Zustimmungsgrad zur Vereinheitlichung von Produkt- und Materialnummern mit 81 Prozent und global einheitlichen Änderungsprozessen für Konfigurationsmodelle mit 63 Prozent. Der Reifegrad zeigt sich nicht nur bei den geschaffenen Voraussetzungen, sondern auch bei den Softwarelösungen: Es wird verstärkt auf ERP-Systeme gesetzt. Keiner der Variantenprofis konfiguriert manuell.

Die Variantenprofis sind deutlich auf operative Ziele konzentriert. Fehler-, Angebotszeit- und Kostenreduktion wurden von allen Unternehmen der Fokusgruppe als Ziele genannt. Der Ausbau der Basisfunktionalitäten des Konfigurators, vor allem der technischen Spezifikationsermittlung, wird in der Angebots- und Auftragserstellung angestrebt. Sie setzen einen Schwerpunkt in der erfolgreichen Umsetzung in der Errichtung globaler Standards zur Produkt- und Prozesskonzeption. Pricing-Strategien werden weniger genutzt.

Auch die Variantenprofis sind hinsichtlich der digitalen Marketingaktivitäten eher zurückhaltend. Im Gegensatz dazu werden Budgetangebote (69 Prozent) öfter eingesetzt, was die stärkere Rolle des Vertriebs untermauert.

Im dritten Prozessbereich, der Supply Chain, ist eine stärkere Ausprägung im Nutzungsgrad (41 Prozent) ersichtlich. Die konsequente Integration der Produktkonfiguration mithilfe ihrer globalen Produktmodelle in die Supply Chain wird deutlich. Für die Erstellung der Produktionsstückliste (80 Prozent) und des Nutzungsgrads innerhalb der Logistikprozesse, beispielsweise Versandart (44 Prozent), Transportkosten (31 Prozent) und Verpackungsart (56 Prozent) wird Produktkonfiguration verwendet. Variantenprofis haben im Vergleich viel häufiger eine durchgehende Variantenkonfiguration und integrieren darüber Vertriebs- und Supply Chain-Prozesse.

Obwohl auch bei den Variantenprofis strategische Ziele in Zusammenhang mit der Produktkonfiguration in vielen Unternehmen nicht definiert wurden, zeigt sich bei den übrigen Zielen dennoch ein höherer Zielerreichungsgrad, beispielsweise bei der Flexibilisierung zur Erweiterung des Produktspektrums (63 Prozent) oder der Erfüllung von Kundenwünschen aus länderspezifischen Anforderungen (56 Prozent). Die Erhöhung der Angebotserfolgsquote wird auch in dieser Fokusgruppe nur bei 63 Prozent der Unternehmen als Ziel angesehen und wurde nur von 25 Prozent der Unternehmen erreicht.

 

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Produktkonfiguration als Erfolgsfaktor im Maschinen- und Anlagenbau.
Die Variantenvielfalt und Individualisierung von Produkten ist für etliche Industrieunternehmen zu einem Erfolgsfaktor ihres Geschäfts geworden. Dabei rückt eine geeignete Markt- und Vertriebsstrategie beim Variantenmanagement zunehmend in den Vordergrund.

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