Globaler Technologiewandel

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Die Ergebnisse der Befragung belegen, dass 71,9 Prozent der Unternehmen einen starken Technologiewandel wahrnehmen. Meist getrieben durch unternehmenseigene Innovationen, hat die Implementierung neuer Technologien verstärkt Auswirkungen auf die Produktionsinfrastruktur und das Lieferantennetzwerk. Unternehmen, die einen deutlichen Technologiewandel wahrnehmen, erwarten zugleich eine größere Dynamik in der regionalen Verteilung der Produktionswerke in den nächsten fünf Jahren. Verkündet wird ein Technologiewandel in etablierten Fachlektüren und führenden Medien schon seit Längerem. Fahrerassistenzsysteme, elektrische Antriebe, Leichtbauwerkstoffe und das Internet der Dinge haben – neben vielen anderen Entwicklungen – die Art und Weise, wie wir Produkte nutzen, radikal verändert. Proklamiert wird dieser Trend als Katalysator für einschneidende Veränderungen in Unternehmen. Letztendlich verändern diese Entwicklungen jedoch ganze Branchen nachhaltig. GEXSO untersucht dieses brisante Thema mit dem Ziel, die Auswirkungen auf Automobilzulieferer, Maschinen- und Anlagenbau und Industriekomponentenhersteller im Speziellen aufzudecken. Globale Technologietrends bilden dabei den zentralen Ausgangspunkt der Analyse, indem die Relevanz für die Branchen und die neuen Produkt- und Prozesstechnologien untersucht werden. Außerdem wird dargestellt, wie neue Technologien erkannt und in den Unternehmen implementiert werden. Die Frage, wie genau die neuen Technologien bestehende Supply Chains verändern, thematisiert GEXSO ebenso wie die geschaffenen Umsetzungskompetenzen in Unternehmen.

Globale Technologietrends

GEXSO_Studie2_Grafik31 GEXSO bewertet die Relevanz des Technologiewandels für die untersuchten Branchen anhand der Wahrnehmung der durch neue Technologien verursachten Veränderungen in Unternehmen. Je stärker diese in der Branche observiert werden, umso relevanter ist der Technologiewandel. Dabei gruppiert GEXSO die Antworten in sechs Kategorien. Die Optionen „trifft voll zu“, „trifft größtenteils zu“ und „trifft teilweise zu“ bestätigen eine Bedeutsamkeit des Technologiewandels, während „trifft teilweise nicht zu“, „trifft größtenteils nicht zu“ und „trifft nicht zu“ diese nicht stützen. Branchenübergreifend stimmen 71,9 Prozent der Unternehmen zu, einen starken Technologiewandel wahrzunehmen, der ihr Unternehmen nachhaltig verändert. Fast ein Drittel dieser Unternehmen haben dabei über eine Mrd. Euro Umsatz. Diese eindeutige Zustimmung belegt jedoch die starke Relevanz neuer Technologien für alle drei untersuchten Branchen unabhängig von der Unternehmensgröße.

Umsetzungskompetenzen für neue Technologien

GEXSO_Studie2_Grafik32GEXSO_Studie2_Grafik33Während sich 75,4 Prozent der Unternehmen in der Lage sehen, neue Technologien effektiv und schnell im eigenen Unternehmen zu implementieren, attestieren immerhin 24,6 Prozent der Experten ihrem Unternehmen unzureichende Umsetzungskompetenzen. Ein kritischer Erfolgsfaktor für die Ausschöpfung von Optimierungspotenzialen durch neue Technologien sind die Umsetzungskompetenzen der Unternehmen, die es diesen ermöglicht, auch technologisch in rasch reifenden Märkten wettbewerbsfähig zu bleiben. GEXSO untersucht die in den Unternehmen geschaffenen Voraussetzungen zur effektiven und schnellen Nutzung neuer Technologien. Bewertet wurden die Unternehmenskompetenzen dabei auf einer Skala, deren Einzelwerte kumuliert wurden, um ein aussagekräftiges Gesamtergebnis zu erhalten. Am ehesten sehen Unternehmen die Existenz einer Strategie zur Identifikation und Erforschung neuer Technologien als gegeben an. Dies ist von zentraler Bedeutung, um Innovationen antreiben zu können und Trends im Markt früh zu identifizieren. Unternehmen, die Technologien frühzeitig identifizieren und nutzen, können sich einen Wettbewerbsvorteil sichern.
Teilnehmende Unternehmen weisen außerdem meist klare Verantwortungen für die Umsetzung der Implementierung auf und haben eine offene Unternehmenskultur etabliert, in der Innovationen wachsen und Change-Prozesse voranschreiten können. Während Verantwortungen schnell definiert sind, kann es Jahre dauern, eine Unternehmenskultur nachhaltig zu verändern. Jedoch ist dies ein kritischer Erfolgsfaktor zur Umsetzung technologischer Neuheiten. Entgegen dem branchenübergreifenden Durchschnitt wird die offene Kultur in der Industriekomponentenfertigung vermehrt als Defizit gesehen, das den Einsatz neuer Technologien hemmt.

Mängel werden den Unternehmen vermehrt im Bezug auf einen klar definierten und umgesetzten Standardprozess zur Implementierung technischer Fortschritte attestiert. Oft ist diese Implementierung mit hohen Investitionen verbunden. Die Studienergebnisse zeigen allerdings, dass in vielen Fällen nicht ausreichend Budget vorhanden ist. Alleinig den Maschinen- und Anlagenbau betrifft diese Restriktion offenbar weniger stark. Die Befragungsergebnisse zeigen für diese Branche überdurchschnittlich oft ausreichende Budget-Allokation für Innovationen. Die größte Herausforderung, mit der sich die Studienteilnehmer konfrontiert sehen, sind unflexible und langwierige Entscheidungsprozesse. Diese können Verzögerungen bei der Identifikation und Implementierung technischer Fortschritte mit sich bringen, die unter Umständen zum Verlust von Wettbewerbsvorteilen führen. Optimierungspotenzial ergibt sich somit für alle drei Branchen in der Verschlankung von Entscheidungsprozessen.

Neue Produkt- und Prozesstechnologien

Um den Technologiewandel genauer zu charakterisieren, erfragt GEXSO auch die aktuell relevanten Produkt- und Prozesstrends in den drei Branchen. Unter den Produkttechnologien sehen die Branchenexperten momentan die Nutzung neuer Werkstoffe als zentrales Innovationsfeld. Auch die Verwendung neuer elektronischer Komponenten in den Fertigprodukten spielt eine überdurchschnittliche Rolle. Teilweise kommt auch die Verwendung neuartiger mechanischer Komponenten zum Tragen. Hingegen spielen chemische Komponenten, neue Methoden zur Energieversorgung, die änderung der Gesamtsystemarchitektur und Softwarelösungen branchenübergreifend nur eine untergeordnete Rolle. In der Wichtigkeit der Technologien lassen sich klare Branchenunterschiede erkennen. Während die Automobilzulieferindustrie auf neue Werkstoffe und neue mechanische Konstruktionen fokussiert, spielen Veränderungen der elektronischen Komponenten und neue Softwarelösungen eine dominierende Rolle im Maschinen- und Anlagenbau. Die Industriekomponentenhersteller hingegen sehen sich mit einer Vielzahl von neuen Technologien konfrontiert. Sie treiben Innovationen zu neuen Werkstoffen, elektronischen Komponenten und Methoden zur Energieversorgung gleichermaßen voran. Neben den Produkttechnologien verändern Innovationen auch die Unternehmensprozesse stetig. Branchenübergreifend sind Produktionsverfahren am stärksten betroffen. Neue Verfahren zur Produktentwicklung werden eine eher durchschnittliche Rolle bei den technischen Neuerungen spielen. Insbesondere die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus sehen hier keine großen Entwicklungen in den nächsten Jahren. Innovationen zur Steuerung der Supply Chain und Schnittstellentechnologien zum Kunden werden entgegen der Erwartungen nur wenig von den technischen Fortschritten im Markt verändert. Insgesamt zeigen die Studienergebnisse eine starke Fokussierung neuer Produkt- und Prozesstechnologien auf Kernaspekte der Supply Chain, vor allem der Produktion und ihrer Werkstoffe.
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Treiber des Technologiewandels

GEXSO_Studie2_Grafik36 GEXSO_Studie2_Grafik37GEXSO untersucht die unternehmensinternen und -externen Technologietreiber, die Innovationen schaffen und damit Optimierungspotenziale für Unternehmen freisetzen. Die Ergebnisse zeigen, dass die wichtigste Quelle neuer Technologien im eigenen Unternehmen liegt. Erwartungsgemäß verlassen sich Unternehmen verstärkt auf die eigenen Entwicklungskompetenzen und erforschen technische Neuerungen aus eigenen Kräften. Überdurchschnittlich oft werden neue Technologien aber auch von den Kunden verlangt, was eine Implementierung im eigenen Unternehmen notwendig macht. Wettbewerber haben einen durchschnittlichen Einfluss auf die im Unternehmen neu eingesetzten Techniken. Wird die Implementierung durch einen externen Faktor wie Kunde oder Wettbewerber veranlasst, kann ein reaktives Verhalten zu Handlungsdruck und verschenktem Optimierungspotenzial führen. Lieferanten, aber auch Gesetzgeber und Behörden, sind nur in geringem Maße Treiber für die Einführung neuer Technologien. Die Studienergebnisse zeigen, dass Unternehmen Innovationen verstärkt im eigenen Unternehmen generieren. Außerdem können nur sie die Umsetzung vornehmen. Die Unternehmen müssen somit verstärkte Eigenverantwortung im Technologiewandel übernehmen. GEXSO analysiert, welche Unternehmensbereiche in die Bewältigung dieses Trends involviert sind. Die wichtigste Rolle obliegt dabei erwartungsgemäß der Abteilung Forschung und Entwicklung. Weit überdurchschnittlich ist auch die Unternehmensleitung in die Implementierung neuer Technologien eingebunden. Sie ist die zentrale Anlaufstelle für die Unternehmenssteuerung und übernimmt vermutlich eine starke Verantwortung bei der Auswahl neuer Techniken. Marketing/Produktmanagement, Vertrieb und Produktion sind eher durchschnittlich stark in die Umsetzung von Trends involviert. Damit wird der Produktion ein Sonderstatus unter den anderen Supply Chain-Funktionen wie Einkauf und Logistik zugestanden, die nur einen sehr geringen Einfluss auf neue Technologien ausüben. Erklärbar wird dies durch die Fokussierung neuer Technologien auf Produktionskomponenten und die Umgestaltung etablierter Produktionsverfahren. Auch den IT-Funktionen im Unternehmen wird nur wenig Einfluss auf den technologischen Fortschritt des Unternehmens beschieden. Dies ist insofern interessant, da viele IT-Abteilungen eigentlich großen Einfluss auf die Gestaltung des prozessorientierten Technologiewandels haben. Auffällig ist, dass der Technologiewandel in Unternehmen vermehrt zentral gesteuert wird, während wichtige Supply Chain-Kernfunktionen nur in reduziertem Umfang involviert sind.

Auswirkung des Technologiewandels auf die Supply Chains

Die Studienergebnisse zeigen generell eine Vielzahl von Auswirkungen des Technologiewandels auf die Supply Chains. Weit überdurchschnittlich sind die Produktionsinfrastruktur und die Lieferantennetzwerke betroffen. Auch die Anpassung der Supply Chain-Prozesse wird vermehrt als Folge neuer Technologien genannt. Durchschnittlich stark werden die Produktions- und Distributionsprozesse der Unternehmen, der Automatisierungsgrad der Prozesse und die Auswahl der Bezugsländer, in denen die Unternehmen beschaffen, durch technologische Neuerungen verändert. Neue Geschäftsfelder und Funktionsbereiche in Unternehmen hingegen werden im Zusammenhang mit dem Technologiewandel wenig gesehen. Die Ergebnisse legen nahe, dass der technologische Fokus tendenziell stärker auf operativen Unternehmensstrukturen und Supply Chain-Prozessen liegt. Zur strategischen Neuausrichtung eines Unternehmens kommt es in den befragten Unternehmen weit seltener. Diejenigen Unternehmen, die einen besonders starken Technologiewandel antizipieren, sind im Schnitt aktiver bei der Globalisierung ihrer Supply Chain. Eine Korrelation zwischen der Wahrnehmung des Technologiewandels und der gemessenen Dynamik der Globalisierungsaktivitäten nach Produktionsstätten liegt vor. Dynamik ist als Anteil der regional veränderten Produktionskapazitäten in den nächsten fünf Jahren definiert. Der Korrelationskoeffizient beträgt 0,54. Der Technologiewandel scheint laut Studienergebnissen somit die Globalisierungsaktivitäten in vielen Unternehmen zu begünstigen und wirkt auf sie als Katalysator.

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Die Studienergebnisse zeigen, dass Unternehmen, die einen besonders starken Technologiewandel erleben, auch in besonderem Maß ihre Supply Chain transformieren. Demnach wirkt Technologiewandel als Katalysator für Globalisierung.

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