Globalisierung – Aktuell

de_DE Deutsch en_GB English

Beschaffung

Die Studienergebnisse bestätigen den seit Jahren anhaltenden Globalisierungstrend in den untersuchten Branchen. Weiterhin ist eine lebhafte Internationalisierung mit vermehrter Fokussierung der Supply Chain-Aktivitäten auf den osteuropäischen und asiatischen Raum zu beobachten. Diese Entwicklung wird seit geraumer Zeit durch führende Ökonomen und Branchenexperten bestätigt. GEXSO untersucht den Status quo der Globalisierung anhand verschiedener Unternehmenskennzahlen in den Branchen Automobilzulieferer, Maschinen- und Anlagenbau und Industriekomponentenfertigung. Analysiert wird die globale Aufstellung der Beschaffungs-, Produktions- und Absatzaktivitäten für Unternehmen der Länder Deutschland, Österreich und Schweiz.

Globale Lieferantennetzwerkstruktur

GEXSO_Studie2_Grafik5 GEXSO_Studie2_Grafik6Nach Anzahl der aktiven Lieferanten klassifiziert GEXSO die teilnehmenden Unternehmen in fünf Kategorien: bis 500, bis 1.000, bis 5.000, bis 10.000 und über 10.000 Lieferanten. Vergleichend über alle drei untersuchten Branchen zählen 61,4 Prozent der befragten Unternehmen weniger als 1.000 Lieferanten zu ihren aktiven Geschäftspartnern. Über ein Drittel der Studienteilnehmer geben an, mit 500 bis 1.000 aktiven Lieferanten zu kooperieren. Teilnehmer aus der Automobilzulieferindustrie geben an, mit noch weniger Lieferanten zu arbeiten: 66,7 Prozent pflegen weniger als 1.000 aktive Geschäftsbeziehungen.

Im Branchendurchschnitt zeigen die Lieferantennetzwerke in allen drei Branchen eine starke Fokussierung auf Westeuropa. Aktuell befinden sich 65,6 Prozent der aktiven Geschäftspartner der befragten Unternehmen in dieser Region. Besonders die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus zeigen Lieferantennetzwerke, die in Westeuropa zentralisiert sind. Neben Westeuropa zeichnen sich Osteuropa, Ostasien und Nordamerika als bedeutende Beschaffungsregionen für die untersuchten Branchen ab – in den drei Regionen befinden sich jeweils zwischen 7,2 Prozent und 10,6 Prozent der aktiven Lieferanten. Die Wichtigkeit der Region Nordamerika wird im branchenübergreifenden Vergleich vor allem durch Lieferbeziehungen mit Unternehmen der Automobilzulieferindustrie begünstigt. Die Struktur der Lieferantennetzwerke weist damit heute schon eine starke regionale Diversifizierung auf. Dieser Trend wird sich in den nächsten fünf Jahren mit einer starken Dynamik fortsetzen. Die Studienteilnehmer erwarten, dass sich ungefähr 8,2 Prozent der aktiven Lieferantenbeziehungen regional verschieben. Die Bedeutung von Westeuropa als Lieferantenstandort wird dabei stark abnehmen. In fünf Jahren planen die Unternehmen, nur noch 57,4 Prozent der gesamten Lieferanten in Westeuropa zu unterhalten. Während die Abnahme ausschließlich in Westeuropa gesehen wird, kommt es in allen anderen untersuchten Regionen zu einer Zunahme der aktiven Lieferantenbeziehungen. Dabei werden immerhin die Hälfte der neuen Lieferanten in Osteuropa und Ostasien gesucht. In beiden Regionen wird eine Zunahme des relativen Lieferantenanteils von über 2 Prozent erwartet. Damit werden sie in fünf Jahren nach Westeuropa die wichtigsten Lieferantenstandorte darstellen: In Osteuropa werden 12,8 Prozent und in Ostasien 11,8 Prozent der aktiven Lieferanten angesiedelt sein. Während die Automobilzulieferbranche stärker auf den Ausbau von Lieferantenbeziehungen in Ostasien fokussieren wird, planen Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus sowie der Industriekomponentenfertiger vor allem den Aufbau neuer Versorgungsbeziehungen in Osteuropa.

Globale Verteilung des Beschaffungsvolumens

GEXSO_Studie2_Grafik7Auch die regionale Verteilung des Beschaffungsvolumens zeichnet sich aktuell durch eine Fokussierung auf Westeuropa aus. Im Branchendurchschnitt werden 60,6 Prozent des Beschaffungsvolumens in Westeuropa vergeben. Neben Westeuropa sind auch, analog zum Lieferantennetzwerk, Osteuropa, Ostasien und Nordamerika von Bedeutung. In den drei Regionen befinden sich aktuell jeweils zwischen 8,4 Prozent und 11,3 Prozent des gesamten Beschaffungsvolumens. Das kumulierte Volumen in den drei Regionen beträgt immerhin ein Drittel des globalen Beschaffungsvolumens. Grundsätzlich zeigen die Studienergebnisse eine starke globale Verteilung und damit eine fortgeschrittene Globalisierung der Einkaufsaktivitäten in den untersuchten Branchen. Im Vergleich zur Lieferantennetzwerkstruktur der Unternehmen ist die Dynamik, mit der sich das Beschaffungsvolumen in den nächsten fünf Jahren regional verändern wird, noch deutlicher: Im Branchendurchschnitt planen die Unternehmen für Westeuropa eine zehnprozentige Anteilsreduktion von 60,6 Prozent auf etwa 50,3 Prozent des Einkaufsvolumens.

Damit kündigen die Studienergebnisse einen wichtigen Schritt in der Entwicklung westeuropäischer Unternehmen der untersuchten Branchen an: sie werden in fünf Jahren nur noch etwa die Hälfte ihres Einkaufsvolumens in Westeuropa abdecken. Osteuropa und Ostasien werden in dieser Entwicklung klare Gewinner sein. In beiden Regionen wird der relative Anteil des Beschaffungsvolumens um jeweils 4 Prozent steigen (von ca. 11 auf 15 Prozent). 80 Prozent des in Westeuropa reduzierten Beschaffungsvolumens wird in diesen Regionen aufgebaut. In fünf Jahren wird sich damit ein Drittel des gesamten Beschaffungsvolumens der Unternehmen in Ostasien und Osteuropa befinden. Allerdings lassen sich branchenspezifische Wachstumsstrategien beobachten: Während die Automobilindustrie die Zunahme des anteiligen Beschaffungsvolumens hauptsächlich in Ostasien plant, werden sich die Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau und die Industriekomponentenfertiger hauptsächlich auf ein anteiliges Wachstum in Osteuropa konzentrieren.

Vergleich von Lieferantennetzwerkstruktur und Beschaffungsvolumen

GEXSO_Studie2_Grafik8Grundsätzlich kann die naheliegende Konvergenz der Entwicklung von Lieferantenstrukturen und Beschaffungsvolumen durch die Studienergebnisse plausibilisiert werden. Die Beschaffungsaktivitäten der Unternehmen in den untersuchten Branchen sind heute schon global aufgestellt. Diese Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren weiter intensivieren. Während Westeuropa als Beschaffungsregion an Bedeutung verliert, werden immer mehr Einkaufsaktivitäten nach Osteuropa und Ostasien verlagert. Aktuell liegen 60,6 Prozent des globalen Beschaffungsvolumens in Westeuropa, währenddessen immerhin noch 65,6 Prozent der aktiven Lieferanten in der Region gesehen werden. Entsprechend ist relativ wenig Beschaffungsvolumen auf viele Lieferanten verteilt. Umgekehrt ist dieses Verhältnis für die drei nachfolgend wichtigsten Regionen Osteuropa, Ostasien und Nordamerika. Hier verteilt sich ein relativ hoher Anteil des gesamten Beschaffungsvolumens auf relativ wenige Lieferanten.

Produktion

GEXSO_Studie2_Grafik9GEXSO_Studie2_Grafik10Im Branchendurchschnitt der befragten Unternehmen befinden sich nur 41,2 Prozent der Produktionsstätten in Westeuropa. Die Studienergebnisse zeigen damit bereits heute eine sehr globale Produktionsinfrastruktur. Die branchenspezifischen Ergebnisse der Befragung zeigen ein noch zentralisierteres Bild der Produktionsstätten von Industriekomponentenherstellern. In dieser Branche befinden sich aktuell 53 Prozent der Werke in Westeuropa. Demgegenüber stellt sich die Branche der Automobilzulieferer sehr dezentral auf. Hier sind aktuell nur 35,3 Prozent der Produktionswerke in Westeuropa angesiedelt. Neben Westeuropa stellen Nordamerika mit 18,9 Prozent und Ostasien mit 15,4 Prozent der gesamten Werke ebenfalls wichtige Produktionsregionen dar. Die regionale Diversifizierung der Produktion ist im Vergleich zu den Einkaufsaktivitäten derselben Unternehmen weiter vorangeschritten. Dieser Trend wird auch in den nächsten Jahren stetig weiter zu beobachten sein. Die Studienteilnehmer planen insgesamt 3,5 Prozent der Werke zu verschieben. Ein Rückgang der Produktionsaktivitäten wird in Westeuropa, Nordamerika und dem Nahen/Mittleren Osten erwartet. Damit setzt sich für die Produktionsnetzwerke der befragten Branchen der Paradigmenwechsel fort. Die klassischen Industrieregionen verlieren weiter an Bedeutung.Gewinner der globalen Verschiebung der Produktionskapazitäten werden Ost- und Südasien sein. Dabei wird Ostasien in fünf Jahren immerhin 16,9 Prozent und Südasien 5,7 Prozent der gesamten Werke beherbergen. Im asiatischen Raum werden damit insgesamt 22,6 Prozent der gesamten Produktionsstätten liegen. Dabei sind klare branchenspezifische Unterschiede in der Wachstumsstrategie zu erkennen. Unternehmen der Automobilzulieferindustrie planen verstärkt in neue Werke in Ostasien zu investieren:14 Werkseröffnungen (netto) werden für die nächsten fünf Jahre vorhergesagt. Der Maschinen- und Anlagenbau plant nur sechs Werkseröffnungen (netto) in dieser Region; in Südasien hingegen wird ein Nettoaufbau von zehn neuen Werken geplant. Die europa-zentralisierende Produktionsstrategie der Industriekomponentenfertiger wird auch in Bezug auf die Zukunftsplanung offensichtlich. Die Unternehmen globalisieren ihre Produktion in Osteuropa und Ostasien mit jeweils neun neuen Werken (netto).

Globale Unternehmenspräsenz pro Region

GEXSO_Studie2_Grafik11Die GEXSO-Studie hat die globale Präsenz der teilnehmenden Unternehmen untersucht. Gemessen wurde die globale Präsenz an der Existenz mindestens eines Werkes in der betrachteten Region. Insgesamt zeigen die Studienergebnisse eine starke globale Präsenz der teilnehmenden Unternehmen. Produktionswerke sind in allen untersuchten Regionen aufzufinden, obgleich die Anzahl der in einer Region vertretenen Unternehmen abhängig von dieser stark variiert. Die stärkste Unternehmenspräsenz zeigt sich wie erwartet in der Heimatregion Westeuropa. Die Intensität der Präsenz wird allerdings in den kommenden fünf Jahren stagnieren, während Firmen in anderen Regionen verstärkt neue Werksstandorte planen. Weltweit stellen damit die Regionen Westeuropa, Ostasien und Nordamerika die wichtigsten Regionen gemessen an der Firmenpräsenz dar. Eine leichte Steigerung der globalen Produktionsstandorte ist in den nächsten fünf Jahren in allen Regionen zu verzeichnen. Besonders im Fokus für den Aufbau der Präsenz werden allerdings Südamerika und Ostasien liegen.
Von den betrachteten Unternehmen betreiben laut Studienergebnissen immerhin 17 Unternehmen aktuell mindestens ein Werk in Südamerika, 24 in Osteuropa und 33 in Ostasien. In den nächsten Jahren wird diese Zahl auf 23 für Südamerika, 26 für Osteuropa und 38 für Ostasien (also um 35 Prozent in Südamerika bzw. 15 Prozent in Osteuropa und Ostasien) ansteigen. Ein starkes relatives Wachstum der Firmenpräsenz ist auch im Nahen/Mittleren Osten zu erwarten. Die Anzahl der Firmen, die in dieser Region vertreten sind, wird aber auch in fünf Jahren vergleichsmäßig sehr gering sein.

Investition in neue Werke (absolute Zahlenbetrachtung)

GEXSO_Studie2_Grafik12 Die in der GEXSO-Studie befragten Unternehmen betreiben derzeit 1.004 Produktionswerke weltweit. Zusätzlich planen sie in den nächsten fünf Jahren 102 Werkseröffnungen und 19 Werksschließungen. Die Werksanzahl wird sich folglich in den nächsten fünf Jahren um 83 Produktionsstätten erhöhen. Fast ein Drittel dieses Nettozuwachses fällt auf Ostasien, wo zusätzlich 29 neue Werke entstehen sollen. Die hohen Wachstumsraten in Ostasien bestätigen, dass diese Region als Produktionsstandort der westeuropäischen Unternehmen mittlerweile unabdingbar ist.

Der nächsthöhere Kapazitätsausbau ist in Osteuropa geplant. In dieser Region planen die Studienteilnehmer insgesamt 14 neue Werke zu eröffnen und nur ein Werk zu schließen. Damit wird es zu einem Nettokapazitätsgewinn von 13 Werken kommen. Genau die gleiche Wachstumsrate prognostizieren die Unternehmen für Südasien, wobei hier ausschließlich Werkseröffnungen geplant sind. Gleichfalls werden 13 neue Produktionsstätten in Westeuropa geplant, welche aber in der Nettoveränderung durch elf Werksschließungen wieder nahezu neutralisiert werden.

Absatz

GEXSO_Studie2_Grafik13Die regionale Verteilung der Kundenstruktur zeigt aktuell einen Schwerpunkt in Westeuropa. Im Branchendurchschnitt werden 51,1 Prozent der gesamten Kunden in Westeuropa beliefert. Auch Nordamerika mit 14,8 Prozent, Ostasien mit 13 Prozent und Osteuropa mit 11,3 Prozent der Kunden sind ebenfalls von Bedeutung. Prinzipiell zeigen die Ergebnisse der Befragung eine starke Diversifizierung der Kundenstruktur und damit eine fortgeschrittene Globalisierung der Absatzaktivitäten in den untersuchten Branchen. Dieser Trend wird auch in Zukunft weiter voranschreiten. Im Branchendurchschnitt erwarten die Unternehmen, dass sich eine regionale Verschiebung der Kundenanteile von knapp 5,7 Prozent in den nächsten fünf Jahren ergeben wird, wobei der Anteil westeuropäischer Kunden zurückgeht. Eine Zunahme der Absatzaktivitäten wird hingegen in Nordamerika und Ostasien mit einem Anteilszuwachs von 1,7 bzw. 1,6 Prozent prognostiziert.Die Studienergebnisse lassen damit auf eine noch stärkere globale Streuung der Kundenbeziehungen in den nächsten fünf Jahren schließen. Interessant ist die Bedeutung der Region Nordamerika für die untersuchten Branchen. Sie ist gemessen an den anteiligen Kundenbeziehungen schon die zweitwichtigste Region für die Unternehmen und wird neben Ostasien auch die wichtigste Wachstumsregion in den nächsten fünf Jahren darstellen. Die Studienergebnisse zeigen die große relative Wichtigkeit Nordamerikas ausschließlich für die Absatzmärkte.

Haben Sie noch Fragen?

Haben Sie noch Fragen oder wünschen Sie ein Expertengespräch?
Schreiben Sie uns!

Kontakt aufnehmen

Komplette Studie lesen

Die Studienergebnisse zeigen, dass Unternehmen, die einen besonders starken Technologiewandel erleben, auch in besonderem Maß ihre Supply Chain transformieren. Demnach wirkt Technologiewandel als Katalysator für Globalisierung.

Download
Share this