Internationalisierungsstrategie

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Die Studienergebnisse zeigen, dass die Unternehmen der untersuchten Branchen schon heute stark internationalisierte Supply Chains betreiben. In Zukunft plant die Mehrheit der Unternehmen, Beschaffungs-, Produktions- und Absatzaktivitäten noch globaler aufzustellen.Mit dem ‚Global Footprint‘, dessen Entwicklungserwartung und der genaueren Betrachtung einzelner Variablen untersucht GEXSO die Ausprägung der geplanten Internationalisierung von Unternehmen der Länder Deutschland, Österreich und Schweiz. Die Sinnhaftigkeit einer internationalen Expansion wird nicht nur von führenden Ökonomen seit Jahren bestätigt, sondern ebenfalls vom Status quo der Netzwerkstrukturen der Unternehmen unterstrichen. GEXSO erfasst und beschreibt den gemessenen Internationalisierungsgrad der Unternehmen anhand verschiedener Parameter und informiert mit einem Ausblick über die bevorstehenden Veränderungen der globalen Netzwerkstrukturen. Das entwickelte Globalisierungsmodell beleuchtet das Szenario der wirtschaftlichen Internationalisierung komplementär, indem es die Situation der Beschaffungsregionen analysiert und mit Hilfe einer Kategorisierung deren Einschätzung erleichtert.

Global Footprint

GEXSO_Studie2_Grafik14 GEXSO_Studie2_Grafik15In diesem Abschnitt werden zusammenfassend die identifizierten, messbaren Ausprägungen der Internationalisierung als Globalisierungsvariablen dargestellt.
Treiber für die weiterführende internationale Expansion können unter anderem die bereits globalisierten Produktionsinfrastrukturen sein. Dies führt oftmals zu einer Verschiebung des Beschaffungsvolumens und der geografischen Positionierung der Zulieferindustrie. Es wird beobachtet, dass eine internationale Kundschaft zu einer Globalisierung der Produktionsinfrastruktur führen kann. In diesem Zug beobachtet GEXSO ebenfalls eine Lokalisierungsstrategie der Unternehmen, die in vielen Fällen zunächst ihre Produktionsinfrastruktur der Nachfrage entsprechend angepasst haben und dann ihre lokalen Lieferanten entwickeln, während gleichzeitig größere Anteile des gesamten Beschaffungsvolumens nachgelagert in die Produktionsregionen verschoben werden. Der ‚Global Footprint‘ veranschaulicht die Situation und stellt eine Komprimierung der Ergebnisse vorangegangener Kapitel dar. Aktuell befinden sich 65,6 Prozent der Lieferanten, 60,6 Prozent des Beschaffungsvolumens, 41,2 Prozent der Produktionsstandorte und 51,1 Prozent der Kunden in Westeuropa. Besonders die Automobilzulieferindustrie ist heute schon überdurchschnittlich global aufgestellt, wobei die starke globale Verteilung der Produktionsstandorte besonders auffällt. Nur 35,3 Prozent der Produktionsstandorte der Automobilzulieferer sind aktuell in Westeuropa lokalisiert. Insgesamt kommen den verschiedenen Regionen unterschiedliche Bedeutung für die einzelnen Bereiche Absatz, Produktion und Beschaffung zu. Der Beschaffungsanteil ist in Westeuropa anteilsmäßig stärker konzentriert als die Produktion und der Absatz. In Nordamerika hingegen haben die Produktion und der Absatz eine vergleichsweise höhere Bedeutung als die Beschaffung. Die aktuelle regionale Verteilung der aktiven Lieferanten zeigt, dass diese geografisch überwiegend zentralisiert sind, wohingegen das Produktionsnetzwerk der Unternehmen deutlich globalisiertere Strukturen aufweist. Daraus folgt die Notwendigkeit von Koordinationsprozessen an der Schnittstelle zwischen Beschaffung und Wertschöpfung.

GEXSO postuliert weiterhin den beschleunigten Ablauf des Globalisierungsprozesses in den nächsten Jahren aufgrund der steigenden Nachfrage der aufstrebenden Wirtschaftsregionen und des zunehmenden Anteils internationaler Kunden. Dies führt zu einem größeren Anteil von Supply Chain-Ressourcen in Wachstumsregionen. Die Studienergebnisse belegen die Erwartung einer Veränderung bereits innerhalb der kommenden fünf Jahre. Zusammenfassend für die vorherigen Kapitel lässt sich sagen, dass für alle betrachteten Unternehmensbereiche eine zunehmende Globalisierung erwartet wird. Dies hat eine erhöhte globale Reichweite der Unternehmen zur Folge und macht eine Adaption an neue Anforderungen und an die implementierten Netzwerkstrukturen notwendig. Die Grafik zeigt, wie der relative Anteil z. B. des Beschaffungsvolumens für die einzelnen Regionen steigt oder fällt. Demnach entspricht eine vorhergesagte Veränderung von aktuellen 60,6 Prozent zu 50,3 Prozent in fünf Jahren einer Veränderung von 10,3 Prozent. Bei genauerer Betrachtung wird außerdem klar, dass das Beschaffungsvolumen in Osteuropa und Ostasien stärker wächst als der Anteil der Lieferanten. In Südasien wachsen diese beiden Größen gleich stark. Diese erfasste Dynamik bekräftigt wiederum die mögliche Existenz von Lokalisierungsstrategien der befragten Unternehmen.

Der steigende relative Anteil des internationalen Beschaffungsvolumens, bei einer geringeren Internationalisierung der Lieferantenanteile, verdeutlicht zusätzlich die Hypothese, dass Lieferanten entwickelt wurden und Beschaffungsvolumen nachgezogen wird. Im folgenden Kapitel ‚Globalisierungsgrad‘ ermittelt GEXSO den Grad der Globalisierung anhand messbarer Kenngrößen aus Beschaffung, Produktion und Absatz.

Globalisierungsgrad

Das vorhergehende Kapitel diskutierte die erwartete Entwicklung der globalen Verteilung von Lieferanten, Beschaffungsvolumen, Werksstandorten und Kunden in den verschiedenen Weltregionen. Es wurde festgestellt, dass eine zunehmende Globalisierung aller aufgenommenen Parameter erwartet wird. Diese fortschreitende Internationalisierung wird im Folgenden quantifiziert. Hierzu werden für die Parameter Beschaffung und Absatz jeweils die Differenzen zwischen globalen und lokalen Anteilen betrachtet und für die Produktion eine Betrachtung des Verhältnisses zwischen internationalen Standorten und Werken in der Heimatregion durchgeführt. Zusammen geben sie einen interessanten Einblick in die Internationalisierungsstrategie der untersuchten Industrien.

Globalisierungsgrad Beschaffung

Mehr als zwei Drittel der Unternehmen tätigen mindestens 30 Prozent ihrer Beschaffung außerhalb der Heimatregion. Bei 45,3 Prozent wird nicht mal mehr die Hälfte im Heimatmarkt beschafft. Diese globale Ausrichtung der Beschaffung wird in den kommenden fünf Jahren sogar noch weiter zunehmen. Im Schnitt wird ein höherer Anteil des Beschaffungsvolumens außerhalb der Heimatregion Westeuropa abgewickelt. Dabei planen 73,6 Prozent der Unternehmen mit einer Zunahme des Anteils der internationalen Beschaffung, während lediglich 5,7 Prozent eine relative Konzentration auf die Heimatregion vorhersehen.
GEXSO_Studie2_Grafik16 GEXSO_Studie2_Grafik17

Globalisierungsgrad Produktionswerke

GEXSO_Studie2_Grafik18 Folgende Grafik illustriert den deutlichen Zusammenhang zwischen der Gesamtwerkeanzahl und der Anzahl der Werke außerhalb der Heimatregion der Unternehmen. Die Steigung der Geraden zeigt, dass Unternehmen branchenübergreifend im Schnitt ca. 58,9 Prozent ihrer Werke, unabhängig von der Unternehmensgröße, außerhalb ihrer Heimatregion betreiben. Bei hoher Signifikanz (gemessen R2 von 0,94) verfolgen die Unternehmen also im Schnitt eine ähnliche Strategie bei der Globalisierung von Werken und streben ein ähnliches Gleichgewicht zwischen Werken in der Heimatregion und anderen Weltregionen an. Die Branchenanalyse zeigt allerdings auch Unterschiede. Bei gleichfalls hoher Signifikanz lässt sich eine Globalisierungsgerade für Automobilzulieferer, im Maschinen- und Anlagenbau und bei den Industriekomponentenherstellern in gleicher Weise ableiten. In der Automobilindustrie fallen auf jedes Zulieferwerk in Westeuropa 0,62 Werke außerhalb der Heimatregion, im Maschinen- und Anlagenbau sind dies 0,61 Werke und bei den Industriekomponentenherstellern 0,54 Werke (vgl. Abb. 19). Anscheinend herrscht über die angemessene Globalisierungsgeschwindigkeit bzw. die Gewichtung zwischen internationalen und Heimatstandorten ein gewisser Konsens, wobei im Industrievergleich die Industriekomponentenhersteller konservativer mit stärker gewichteter Heimatbasis agieren.Die Analyse der Zukunftsszenarien ergab, dass – wie ursprünglich von GEXSO angenommen – der Globalisierungsgrad, gemessen am Verhältnis der Werke außerhalb der Heimatregion zur Anzahl der Gesamtwerke des Produktionsnetzes, in den nächsten fünf Jahren weiterhin ansteigt.

In der folgenden Grafik wird der Anstieg internationaler Produktionswerke prozentual dargestellt. Auf der vertikalen Achse wird dabei die Steigerung des Werksanteils außerhalb der Heimatregion aufgetragen, während die horizontale Achse die jeweiligen Unternehmen anonymisiert abbildet. Insgesamt 37,0 Prozent der Unternehmen prognostizieren eine Zunahme des Anteils der international betriebenen Produktionsstätten. Lediglich fünf Unternehmen erwarten hier einen sinkenden Globalisierungsgrad. Bei 53,7 Prozent der Unternehmen soll er über einen Zeithorizont von fünf Jahren in etwa konstant bleiben. Im Schnitt wird prognostiziert, dass sich die Produktionsnetzwerke, die heute 58,9 Prozent ihrer Produktionsstätten außerhalb Westeuropas betreiben, in fünf Jahren weiter globalisiert haben werden. In Zukunft sollen durchschnittlich 59,9 Prozent der Produktionsstätten außerhalb der Heimatregion betrieben werden. Die Analyse des ‚Global Shifts‘ verdeutlicht, dass sich Unternehmen in einem fortlaufenden Globalisierungsprozess befinden und dieser auch weiterhin Einfluss auf die Produktionsinfrastruktur nimmt und zu einem größeren Anteil an internationalen Produktionsstätten führt.

GEXSO_Studie2_Grafik29 GEXSO_Studie2_Grafik20

Globalisierungsgrad Absatz

Als dritte und letzte Komponente zur Quantifizierung der aktuellen und zukünftigen Globalisierung der Unternehmen wertete GEXSO die globale Verteilung der Kunden aus. Hierzu werden ähnlich wie bei dem Beschaffungsvolumen, die relativen Anteile der internationalen Kunden mit denen innerhalb der Heimatregion Westeuropa verglichen. Die Grafik zeigt eindrucksvoll, wie viele der Unternehmen schon jetzt einen hohen Anteil an internationalen Kunden bedienen. Bei 60,9 Prozent der befragten Unternehmen befindet sich mindestens die Hälfte der Kunden außerhalb der Heimatregion. 87,0 Prozent der Unternehmen hingegen haben mindestens ein Drittel ihrer Kundschaft in anderen Regionen. In naher Zukunft wird sich die Situation weiter verstärken und eine zunehmende Globalisierung der gesamten Supply Chain weiter vorantreiben. Wie erwartet wird es auch bei der geografischen Verteilung der Kunden eine voranschreitende Globalisierung geben. Von den befragten Experten der Unternehmen beobachten 40,4 Prozent eine Globalisierung der Kundenstruktur, während nur zwei Unternehmen eine relative Konzentration der Kundenanteile in Westeuropa sehen. Im Schnitt nimmt der internationale Kundenanteil um 4,4 Prozent je Unternehmen zu (von heute 50,9 auf 55,3 Prozent).

GEXSO_Studie2_Grafik21GEXSO_Studie2_Grafik22

Beschaffungsmodell

GEXSO_Studie2_Grafik23 Mit dem Globalisierungsmodell untersucht GEXSO, wie Unternehmen sich in den einzelnen Beschaffungsregionen aufgestellt haben und welche Bedeutung diese im internationalen Kontext haben. In den folgenden Kapiteln sollen anhand des Modells die Unterschiede zwischen den Beschaffungsmärkten herausgearbeitet werden. Das Modell betrachtet zwei Variablen, den Anteil des Beschaffungsvolumens und den Anteil der Lieferanten in einer Region. Auf der vertikalen Achse ist das anteilige Beschaffungsvolumen einer Region in Prozent angegeben, wobei sich die Trennung der Quadranten durch den Median ergibt. Auf der horizontalen Achse wird das Verhältnis von Beschaffungsvolumen zu Lieferanten innerhalb der Region abgebildet. Damit können die möglichen Ausprägungen der vertikalen Achse alle Werte von 0 bis 100 Prozent annehmen. Bei der horizontalen Achse sind rechnerisch alle Werte größer 0 möglich – aufgrund der Studienergebnisse ergibt sich hier ein Maximalwert von ca. 1,2.Regionen, die sich innerhalb des ersten Quadranten befinden, weisen einen größeren Anteil an Beschaffungsvolumen auf als Lieferanten anteilig angesiedelt sind. Gleichzeitig wird in diesen Regionen ein vergleichsweise hoher Anteil des gesamten Beschaffungsvolumens bedient. Im Gegensatz dazu stehen Regionen des dritten Quadranten: hier überwiegt der Anteil der angesiedelten Lieferanten mit geringem Anteil am gesamten Beschaffungsvolumen. Der zweite Quadrant zeichnet sich durch einen hohen Anteil des Beschaffungsvolumens, aber noch mehr ansässige Lieferanten aus. Umgekehrt verhält es sich im vierten Quadranten: dieser zeichnet sich durch einen geringen Anteil am Beschaffungsvolumen und eine geringe Anzahl an ansässigen Lieferanten aus.

Der Regionenvergleich ist eine Aufnahme der aktuellen Situation. Oft sind Beschaffungsregionen einer Dynamik unterworfen und verändern sich somit über die Zeit. Es kann also durchaus passieren, dass eine Region den ursprünglichen Quadranten hinter sich lässt und neue Eigenschaften annimmt. Dies geschieht beispielsweise dann, wenn es einen deutlichen Zuwachs des Anteils am Beschaffungsvolumen gibt. In diesem Fall würde die Region im Modell nach oben verlagert und gleichzeitig einen neuen Wert auf der horizontalen Achse zugewiesen bekommen, wenn sich auch das Verhältnis der beiden Variablen verändert. Eine zweite Ursache stellt die Veränderung des Verhältnisses von anteiligem Beschaffungsvolumen zur Anzahl der Lieferanten dar.

GEXSO_Studie2_Grafik24Dies kann beispielsweise durch die Gründung neuer Lieferanten geschehen, auch wenn das anteilige Beschaffungsvolumen stagniert. Die Befragung der Unternehmen ergab für die aktuelle Situation das unten visualisierte Bild. Westeuropa behält als Heimatregion einen Sonderstatus und wird aufgrund des hohen Anteils am gesamten Beschaffungsvolumen der Unternehmen auf einer zweiten vertikalen Achse abgebildet. Während die Regionen Südamerika, Südasien und Naher/ Mittlerer Osten sich durch ein anteilmäßig geringeres Beschaffungsvolumen auszeichnen, können Nordamerika, Osteuropa und Ostasien mehr Volumen auf sich vereinen. Es ist auffällig, dass außer der Heimatregion keine der anderen Beschaffungsregionen ein Verhältnis von Beschaffungsvolumen zu Lieferanten kleiner eins aufweist. Dies bedeutet, dass im Großteil der Regionen ein größerer relativer Anteil am Beschaffungsvolumen einem relativ gesehen niedrigem Anteil an Lieferanten zugeordnet ist. Dies kann bedeuten, dass sich die Unternehmen in den verschiedenen Regionen unterschiedlich aufgestellt haben, um auf deren individuelle Gegebenheiten und Charakteristika zu reagieren. Generell sollten Unternehmen also ihre Einkaufsstrategien nach der Bedeutung des Marktes ausrichten. Im vierten Quadranten sind vereinzelte Einkaufsaktivitäten auf wenige Lieferanten konzentriert. Diese Regionen stehen ggf. erst am Anfang ihrer Bedeutung im globalisierten Beschaffungsmarkt. Im ersten Quadranten sind die Einkaufsaktivitäten bereits ausgebaut und führen zu signifikanten Volumina.

Eine stärkere Kommoditisierung findet im zweiten und insbesondere dritten Quadranten statt – hier wird das Einkaufsvolumen auf eine breitere Lieferantenbasis verteilt. Es bleibt zu diskutieren, wie mögliche Migrationspfade durch die einzelnen Sektoren dieses Beschaffungsmodells verlaufen könnten. So ist es zum Beispiel vorstellbar, dass sich Regionen wie Ostasien mit zunehmendem Reifegrad und wachsender Bedeutung als Absatz- und Produktionsregion der Position Westeuropas im Diagramm annähern werden.

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Die Studienergebnisse zeigen, dass Unternehmen, die einen besonders starken Technologiewandel erleben, auch in besonderem Maß ihre Supply Chain transformieren. Demnach wirkt Technologiewandel als Katalysator für Globalisierung.

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