Aktuelle Praxis in der deutschen Industrie

Ausblick

Die Studie stellt einen Meilenstein in der Erkenntnis der Realität von Portfolio Management in deutschen Unternehmen dar. Zum ersten Mal können wir eindeutige Faktoren und Faktorenbündel benennen, die die bestehende Portfoliomaturität positiv beeinflussen. Wir verfügen jetzt über vier Cluster von Portfolio Management-Nutzertypen, die trennscharf eine Selbsteinstufung erlauben und darauf aufbauend eine Entwicklung zu einer höheren Maturität ermöglichen. Für weitere Forschungen und praktische Erprobungen bleibt jedoch ein weiter Raum, dessen Erforschung sich lohnt. Ganz sicher finden wir, ohne dass dies hier weiter thematisiert wurde, inhaltlich getrennte Typen von Portfolio Management-Anwendern. Ein Ergebnis könnte sein, dass wir unterschiedliche Portfolioprozesse in der Studie untersucht haben, die wir jetzt nicht weiter trennen können, z. B. ein eher strategischer (verbal, visuell, kollaborativ) oder eher Controlling-orientierter (prozessual, datenorientiert, operational) PPM-Prozess. Antworten auf diese Fragen wären für Softwareintegratoren und Softwareentwickler von höchstem Interesse, denn dann würden ihre Konzepte, Prozesse und GUI-Design (Graphical User Interface) gänzlich anders aussehen. Wie könnte man analytisch-mathematische Verfahren leichter zugänglich machen, als dies heute der Fall ist? Wie könnte die allseits praktizierte kommunikative Nutzung von Portfolio Management zur strategischen R&D-Steuerung weiter unterstützt werden? Portfolio Management wird in der Produktentwicklung der Zukunft eine weiterhin große und sehr wahrscheinlich zunehmende Rolle spielen. Die weitere Professionalisierung ist daher in unser aller Interesse, denn die Produkte und Dienstleistungen, die dadurch ermöglicht werden oder die Einsparung an Projekten, die unwirtschaftlich sind und deren Mittel auf sinnvollere Vorhaben verteilt werden könnten, sind für uns wichtig und wertstiftend. Aus der Perspektive jener Unternehmen, welche Forschung und Entwicklung betreiben, ist Portfolio Management eine unabdingbare Disziplin, in der jedes Unternehmen sich optimieren kann. Denn ein Ergebnis dieser Studie ist auch, dass es niemanden gibt, der nach den Maßstäben des Möglichen eine perfekte Praxis vorzuweisen hätte.

Governance_Strategische_Steuerung_Studie_Grafik_34Governance_Strategische_Steuerung_Studie_Grafik_35

Verifikation

Ein wichtiges Qualitätskriterium ist die Verifizierung einer Studie hinsichtlich:
• Repräsentativität der befragten Zielgruppe für das Segment (Nonresponse-Bias)
• Vollständigkeit des Modells und Qualität der Studienteilnehmer (sieheEinleitung)
• Fragebogenqualität durch Prüfung der Antworten auf Konsistenz und Plausibilität
• Normalverteilung der Gesamtmaturität als Beweis der Unpolarität des Modells
• Grundannahme des absoluten Erfolgs der Anwendung von Portfolio Management

Zielgruppe erreicht – Das Segment ist repräsentativ und die Ansprechpartner verantwortliche Entscheider der globalen Produktentwicklung
Die Verifikation der Zielgruppe zur Sicherstellung ihrer Repräsentativität erfolgt über die Berücksichtigung möglicher Verzerrungen (Nonresponse Bias). Erhobene Variablen zur Unternehmensdemografie (Mitarbeiteranzahl und Umsatz) werden mit denen von nicht teilnehmenden relevanten Unternehmen aus dem gleichen Segment verglichen (nach Banker et al. 2006). Dabei werden Annahmen über die Repräsentativität der Teilnehmer über einen demographischen Vergleich mit einer größeren Gruppe von Unternehmen getroffen. Somit wird die Anwendbarkeit der Ergebnisse für diese größere Gruppe gewährleistet. Es ergaben sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen teilnehmenden und nichtteilnehmenden Unternehmen in den einzelnen Segmenten. Unternehmen aus der Region Deutschland, Österreich und Schweiz wurden berücksichtigt, deren Kennzahlen in öffentlich zugänglichen Datenbanken verfügbar sind. Ein weiteres entscheidendes Kriterium guter empirischer Studien ist sowohl die Vollständigkeit des untersuchten Modells, als auch die Identifizierung der relevanten Teilnehmer-Zielgruppe. Die hier das Modell beschreibenden Disziplinen können, auch bestätigt durch die Teilnehmer, als vollständig betrachtet werden, sind überschneidungsfrei und signifikant unterschiedlich ausgeprägt. Die Qualität gestellter Fragen wurde durch eine Prüfung auf Konsistenz im Antwortverhalten sowohl disziplinspezifisch als auch -übergreifend gewährleistet. Die durch die Studie festgestellten Maturitätswerte für die Einzeldisziplinen und das Gesamtergebnis sind plausibel verteilt und bewegen sich in einem Konfidenzintervall (Confidence Interval CI) von 95 %. Ferner weisen die Ergebnisse eine Normalverteilung auf.

Governance_Strategische_Steuerung_Studie_Grafik_36Grundannahme bestätigt – Maturitätsgrad und Angaben hinsichtlich Portfolio Management-Erfolg korrelieren deutlich

Die Motivation, die Maturität im Portfolio Management zu messen mit dem Ziel, diese schrittweise und gezielt zu erhöhen war von der These gestützt, dass die richtige und reife Praktizierung von Portfolio Management sich absolut vorteilhaft auf den Erfolg in der Produktentwicklung und die Zufriedenheit der verantwortlichen Mitarbeiter im Unternehmen auswirkt. Den hier essentiellen Nachweis des inneren Zusammenhangs zwischen Maturitätslevel und durch die Teilnehmer angegebenem Portfolioerfolg liefert die Regressionsanalyse. Deutlich erkannt wird der lineare Zusammenhang zwischen Erfolgsempfinden, persönlicher Zufriedenheit und positiven Erfahrungen zu der vom Unternehmen erzielten Gesamtmaturität. Der Streuungsgrad der Antworten sowie eine deutliche Eingrenzung des Prediction Interval zur 95 %-Vorhersage der Lage eines weiteren Merkmals, unterstützen die Signifikanz der Regression.

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