Supply Chain-Risiko

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Die globale Supply Chain bietet gute Chancen zur Erschließung weltweiter Beschaffungs- und Absatzmärkte – aber auch Risiken. Supply Chain-Risiken rücken zunehmend in den Fokus, weil die wechselseitigen Abhängigkeiten und Verknüpfungen Kettenreaktionen auslösen können, durch die sich selbst marginale Risiken zu erheblichen Auswirkungen potenzieren.

supplychain-risiko_1Supply Chain-Risiken sind alle Risiken, die auf Störungen und Unterbrechungen der Flüsse innerhalb des Güter-, Informations- und Finanznetzes sowie des sozialen und institutionellen Netzes beruhen. Diametrale Chancen werden dabei häufig übersehen, diskutiert werden in der Regel die negativen Auswirkungen auf die Zielerreichung einzelner Unternehmen bzw. die gesamte Supply Chain bezüglich Endkundennutzen, Kosten, Zeit oder Qualität.
Zur Risikokategorisierung bietet sich eine Systematisierung nach ihrer Entstehung an:
1. Risiken innerhalb des fokalen Unternehmens,
2. Risiken außerhalb des Unternehmens innerhalb der Supply Chain,
3. Risiken außerhalb der Supply Chain, die sämtlich auf das fokale Unternehmen wirken.

supplychain-risiko_2Innerhalb des fokalen Unternehmens entstehende Risiken werden nach Prozess- und Steuerungsrisiken unterschieden. Prozessrisiken beschreiben Störungen in wertsteigernden Unternehmensaktivitäten (z. B. Produktionsverzögerungen oder Ausfall von Betriebsmitteln), die die Leistungserbringung verhindern. Steuerungsrisiken sind bedingt durch gestörte Managementsysteme oder durch unpräzise bzw. falsche Entscheidungsregeln bei der Koordination von organisationseigenen und Zulieferer- und Abnehmerprozessen (z. B. falsch geplante Losgrößen oder fehlende bzw. unpraktikable Arbeitsanweisungen). Außerhalb eines Unternehmens in der Supply Chain entstehende Risiken werden nach ihrer Wirkrichtung unterteilt in Versorgungsrisiken, die durch lieferantenseitige Störung der Flüsse entstehen, und in Nachfragerisiken, die auf Störungen auf der Kundenseite beruhen. Als Umfeldrisiken gelten außerhalb der Supply Chain entstehende Risiken (z. B. Naturkatastrophen, Terroranschläge oder auch Veränderungen gesetzlicher Vorschriften).

supplychain-risiko_3Aufgrund der hohen Relevanz des Supply Chain-Risikomanagements fragte GEXSO nach den TOP 5-Risiken der Studienteilnehmer. Die nach der beschriebenen Systematik kategorisierten Antworten zeigen die Einschätzung insgesamt und die Aufsplittung nach Branchen. Beide Auswertungen zeigen eindeutig, dass Versorgungsrisiken mit 44 Prozent (gesamt) eine hohe Bedeutung zugemessen wird. Die Bewertung dieser Kategorie ist somit fast so hoch wie die Summe der restlichen vier Kategorien – begründet durch den Einfluss unzähliger Faktoren auf die Versorgungssicherheit der globalen Supply Chain, z. B. lange, teils unsichere Transportwege, lange Reaktionszeiten, politische und gesellschaftliche Spannungen in aufstrebenden Ländern sowie Umwelteinflüsse.

Die Bedeutung der Nachfragerisiken ist vergleichsweise gering, was darauf schließen lässt, dass Automobilzulieferer aufgrund der engen Verzahnung mit den Herstellern nicht mit allzu großen Schwankungen und Unsicherheiten rechnen müssen. Beim Maschinen- und Anlagenbau, der zum großen Teil nach Auftrag fertigt, beschränken sich Nachfragerisiken etwa auf Insolvenzrisiken bei Kunden oder den Markteintritt von Wettbewerbern.

Während die Versorgungsrisiken in der Risikobeurteilung branchenübergreifend dominieren, gibt es doch deutliche Unterschiede bei der Beurteilung der unternehmensinternen Risiken und Umfeldrisiken. Von der Automobilzulieferindustrie werden Steuerungsrisiken (20 Prozent) 2,5-fach relevanter als Prozessrisiken (8 Prozent) eingeschätzt. Dies lässt vermuten, dass die betreffenden Prozesse mit relativ höheren Stückzahlen stabil laufen, der Steuerungsaufwand für interne Prozesse allerdings erheblich größer ist. In diesem Fall kann auch eine kleine Fehlentscheidung Produktionsprozesse der Kunden und die gesamte Supply Chain erheblich beeinträchtigen. Die Gewichtung von Prozessrisiken (16 Prozent) zu Steuerungsrisiken (13 Prozent) ist im Maschinen- und Anlagenbau fast gleich und im Bereich der Prozessrisiken doppelt so hoch wie in der Automobilzulieferindustrie. Begründet werden kann dies mit der viel höheren Prozessheterogenität – mit der branchenspezifischen Regelmäßigkeit sowie (Produkt-)Art – des Maschinen- und Anlagenbaus. Die Steuerung komplexerer Prozesse birgt ebenfalls relevante Risiken, eine Fehlsteuerung dominiert aber nicht in vergleichbarem Maße schlechte Prozessabläufe wie bei den Automobilzulieferern.
Noch deutlicher wird der Unterschied bei den Umfeldrisiken, die vom Maschinen- und Anlagenbau lediglich mit 3 Prozent gewichtet werden. Bei Automobilzulieferunternehmen mit 18 Prozent spielen sie eine sehr viel größere Rolle, offensichtlich weil Verzögerungen aufgrund der Verzahnung der Automobilzuliefererer mit ihren Kunden zu Produktionsausfall und Strafzahlungen führen können. Da im Maschinen- und Anlagenbau die Durchlaufzeiten in der Regel deutlich höher als in der Automobilindustrie liegen, können kleine Abweichungen aufgrund höherer Gewalt oder aufgrund von Umfeldrisiken eher toleriert werden.

Die generell hohe Bedeutung des Supply Chain-Risikomanagements zeigt sich auch in dessen Bewertung als Thop-Thema durch 66 Prozent der Studienteilnehmer. Bei genauerer Nachfrage verfügt jedoch nicht einmal die Hälfte der Unternehmen (48 Prozent) über einen strukturierten Risikomanagementprozess und nur 46 Prozent über dedizierte Maßnahmen zur Risikosteuerung, z. B. in Form von Notfallplänen. Trotz der erklärtermaßen großen Bedeutung des Supply Chain-Risikomanagements bleibt die Umsetzung
(standardisierte und umfangreiche Prozesse, Organisationsformen, etc.) aus – mangels Know-how oder aufgrund von Ungewissheiten bezüglich der Gestaltung. Dies zeigt jedoch auch, dass mit einem geeigneten Prozess auch potenzielle, wegen unklarer Risiken bisher ungenutzte Chancen ausgeschöpft werden können.


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